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Architektur-Infos

"Haus Untersberg" - von LAVA Architecture konzipiert - ist eröffnet

Design trifft Abenteuer

Am 08.10.2011 wurde nach einer umfassenden Modernisierung das "Haus Untersberg" auf dem Areal der Jugendherberge Berchtesgaden fertiggestellt. Nach einem Entwurf des Architekturbüros LAVA - Laboratory for Visionary Architecture realisiert der Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) eine Jugendherberge in einem völlig neuen Design. Im August 2010 wurde mit den Baumaßnahmen für "Haus Untersberg" begonnen, während der Gastbetrieb der Jugendherberge weiterlief. Das Konzept von LAVA berücksichtigt in einem hohen Maße sowohl die geänderten Nutzungsbedürfnisse der jungen Gäste und Familien als auch die Möglichkeiten, die in der vorhandenen Bausubstanz liegen. In den kommenden Jahren sollen weitere Baumaßnahmen das gesamte Ensemble der Jugendherberge Berchtesgaden neu gestalten.
Westansicht Nacht
Bild: © Robert Pupeter

Der Landesverband Bayern e. V. des Deutschen Jugendherbergswerks hat erkannt, welche Anforderungen seine Gäste in Zukunft an seine Häuser - die Jugendherbergen - stellen werden. Dabei entschied sich das DJH am Standort der Jugendherberge Berchtesgaden für eine Neuinterpretation des bestehenden Areals und eine grundlegende Ausarbeitung neuer Gestaltungslinien. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit des Ensembles, insbesondere energetischer Einsparpotenziale, war dies ein Anlass, um der Jugendherberge Berchtesgaden ein neues Erscheinungsbild zu geben und mit Investitionen die Attraktivität der Jugendherberge zu steigern. Im Oktober 2009 lud der Landesverband Bayern e. V. drei renommierte Architekturbüros zu einem Wettbewerb ein, aus dem LAVA - Laboratory for Visionary Architecture mit Sitz in Stuttgart und Sydney als Gewinner hervorging.

Das Team um Prof. Tobias Wallisser, Dr. Alexander Rieck und Chris Bosse ordnet den einzelnen bestehenden Gebäuden und Flächen bestimmte Aktivitätsfelder zu, beispielsweise die Nutzung speziell durch Familien oder Gruppen. Aus einer systematischen Bestandsanalyse der Gebäudestruktur erarbeiteten die Architekten unter den Nutzungsvorgaben des Bauherren und der Berücksichtigung zukunftsrelevanter Faktoren ein überzeugendes Konzept. Dabei steht die Erfahrung von Authentizität in Einfachheit und Umgebung, sowie der damit verbundenen Erlebnisse, im Mittelpunkt. Die augenscheinlichen Qualitäten der Jugendherberge in Berchtesgaden sind die in eine traumhafte Landschaft eingebetteten Häuser mit Bergsicht, die naturnahe Parklandschaft des Grundstücks und die gewachsene Struktur unterschiedlicher Gebäude. Vier Gebäude, errichtet in großen zeitlichen Abständen mit unterschiedlicher Gestaltung, bilden ein gewachsenes Ensemble. Jedes Gebäude für sich weist eine Qualität auf. Einzig der Park kann als verbindendes Element gesehen werden. Dieser erlaubt vielfältige Nutzungsmöglichkeiten als attraktiver Erlebnisbereich.

Galeriezimmer
Foto: © Robert Pupeter

Überalterte Nutzungseinheiten werden aufgebrochen, damit sie zukünftigen Ansprüchen gerecht werden können. So fügen sich vorhandene Strukturen, flexible Raumeinheiten und Lounge-Bereiche zu einem völlig neuen, offenen Erscheinungsbild. Das Haus für Familien - "Haus Untersberg" - ist das erste Gebäude auf dem Areal der Jugendherberge, das während des laufenden Herbergsbetriebs in den anderen Gebäuden zukunftsweisend umgebaut wurde. Dem Gesamtkonzept entsprechend weist LAVA unterschiedlichen Flächen jeweils eigene Funktionen zu, die sich in den Bauteilen und Einbaumöbeln widerspiegeln. Das Zimmer als Hauptprodukt eines Beherbergungsbetriebs ist Ausgangspunkt der zeitgemäßen architektonischen Gestaltung. Die Idee der Schichtung und Durchdringung von Nutzungsbereichen wurde im "Haus Untersberg" aufgenommen und im Rahmen einer Revitalisierung in die vorhandene Bausubstanz adaptiert. Altes und Neues ergänzen sich und verleihen einander durch Kontraste Bedeutung.

Balkonzimmer
Foto: © Tobias Walliser

Das Raumangebot erhält bestimmte Funktionen, gleichzeitig entsteht durch die Kontinuität der Elemente eine gestalterische Großzügigkeit. Eine zeitgemäße Interpretation der Stockwerksbetten als Stapelbetten oder Schlaf-Cocoons, natürliche Materialien sowie die raffinierte Kombination einfacher Elemente, erzeugen mit wenigen Eingriffen eine neue Atmosphäre. Jedes Zimmer verfügt über Dusche und WC, deren Anordnung je nach Zimmertyp variiert. So ist die Nutzung als Einzelzimmer, Doppelzimmer, Mehrbettzimmer bis zur Suite möglich. Die Waschtische sind in den größeren Zimmern offen positioniert. Das Gefühl von Matratzenlagern wird durch die klare Gestaltung von Schrankeinbauten in Kombination mit anderen Möbeln vermieden. Auch hebt sich die Interpretation der Einbaumöbel in der Fassade, in Form von auskragenden Kuben als "Think and Relax Box", deutlich von der bewahrten Holzverschalung ab. Dieses Aufbrechen der alten Struktur, ebenso wie die großflächigen Öffnungen im neuen Fluchttreppenhaus, lassen schon von außen die Veränderungen im Innern des Gebäudes erahnen. Eine Metapher für den Wandel der Jugendherbergen in Bayern zu einem neuen Image. Die Verwendung von natürlichen und regionalen Materialien und die raffinierte Kombination einfacher Elemente erzeugt eine Atmosphäre, deren Wertigkeit in der Auswahl und Verarbeitung liegt. Für die Region authentisch sind die eingebauten Holzfußböden, deren Gebrauchsspuren die Geschichte mehrerer Gästegenerationen erzählen. Durch die Ausstattung mit individuellen Accessoires wird der regionale Bezug zu Berchtesgaden hergestellt. So erhält jedes Zimmer, jeder Raum, seine besondere Note.

Lageplan Gesamtanlage
Grafik: © LAVA

Der Masterplan zum Ensemble der Jugendherberge Berchtesgaden sieht als weitere Baumaßnahme vor, das bestehende Gebäude "Haus Hubertus" im Zentrum der Gesamtanlage, trotz seines Charmes, abzureißen. Hier soll der neue Kern entstehen, dessen Hauptthemen Kommunikation und Begegnung sind. Die in den Häusern Jenner und Untersberg benötigten, und zum Teil vorhandenen, Gemeinschaftsbereiche werden in dem neu zu errichtenden Haupthaus angeboten. Damit wird das bestehende Ensemble erhalten und durch eine neue Strukturierung und Gestaltung in das Gesamtkonzept der Jugendherberge Berchtesgaden integriert. Jedem Haus wird eine eigene Funktion zugeordnet.

Die heutige Gesellschaft ist bestimmt durch die Mischung, Überlagerung, Vernetzung von persönlichen Wirkungskreisen in realen und virtuellen Lebensmodellen. Diesem sich im stetigen Wandel befindlichen Prozess gesellschaftlichen Lebens verleiht das neue Konzept von LAVA in der Jugendherberge Berchtesgaden Form und Gestalt. Eine Qualität, die durch die Integration modernster Haus- und Energietechnik zukünftigen Ansprüchen gerecht wird. Die Architekten schaffen flexibel nutzbare Raumzonen, die in einer für die Jugendherberge bisher unbekannten Formgebung realisiert werden.

Gestaltungkonzept Schnitt Grafik: © LAVA

Die Beteiligten an der Neustrukturierung der
Jugendherberge Berchtesgaden

Bauherr
Deutsches Jugendherbergswerk, Landesverband Bayern e.V., München

Architektur
LAVA (Laboratory for Visionary Architecture) wurde 2007 gegründet. Die Partner Chris Bosse, Tobias Wallisser und Alexander Rieck wurden durch Projekte wie die Planung des Stadtzentrums der CO2-freien Stadt Masdar, den Michael Schumacher Tower in Abu Dhabi und den Future-Hotel-Prototypen in Duisburg bekannt. Derzeit sind eine Universität sowie der Masterplan für die Erweiterung eines neuen Stadtteils in Riad in Planung. Tobias Wallisser ist Professor für Innovative Bau- und Raumkonzepte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Er war bei UNStudio als assoziierter Architekt für die Planung des Stuttgarter Mercedes-Benz Museums verantwortlich. Chris Bosse entwarf als assoziierter Architekt bei PTW Architects in Sydney die Schwimmhalle der Olympiade in Peking. Das als "Watercube" bekannte Schwimmstadion setzte neue Maßstäbe im Bereich des computer-gestützten Entwerfens. Alexander Rieck arbeitet seit über zehn Jahren für das Fraunhofer Institut Stuttgart und koordiniert die Architekturaktivitäten verschiedener Institute, u.a. das Forschungsprojekt Fucon.

Projektleitung Jugendherberge Berchtesgaden: Sebastian Schott; Mitarbeit: Sirri El Jundi, Kirk Weisgerber, Stephan Markus Albrecht, Bum Suk Ko, Patrick Lorenz, Christina Pellicier, Nicola Schunter
Ausschreibung/Kosten
Wenzel + Wenzel Architekten, Stuttgart/München
Partnerbüro & Bauleitung
Schulze Dinter Architekten, 83471 Berchtesgaden
Statik
Zahn Ingenieurgesellschaft mbH, 83301 Traunreut
HLS / ELT
PGT Planungsgruppe Technik, 83209 Prien am Chiemsee
HLS
Ludwig Ingenieurgesellschaft für Technische Gebäudeausrüstung mbH, 83278 Traunstein
Brandschutz
Ingenieurbüro Kade, 82223 Eichenau
SiGeKo
Dipl.- Ing (FH) Baumann; Ingenieurbüro für Bauwesen, 83435 Bad Reichenhall

Weitere Informationen:
Deutsches Jugendherbergswerk
Landesverband Bayern e.V.
Mauerkircherstr. 5 • D-81679 München
Tel.: +49/89 - 92 20 98-0
Fax: +49/89 - 92 20 98-40
eMail: mail@djh-bayern.de
web: www.jugendherberge.de

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