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Autoren: Thilo Ebert, Jochen Schäfer, Heike Schlappa

LEED-Zertifizierung - Einblick mit Ausblick

Zertifizierungssysteme

Die etablierten Zertifizierungssysteme BREEAM, DGNB und LEED bewerten mit unterschiedlicher Gewichtung anhand eines vorgegebenen Kriterienkatalogs ökologische, ökonomische und soziale Aspekte und berücksichtigen den gesamten Lebenszyklus von der Planung über die Erstellung, den Betrieb bis in den Rückbau des Gebäudes. Inzwischen bieten diese Systeme eine große Bandbreite an Nutzungsprofilen an, um ein Gebäude entsprechend der spezifischen Anforderungen vergleichbar bewerten zu können. Unabhängig davon, ob es sich dabei um Neubauten, Bestandsgebäude und Mieterausbau oder um eine spezielle Gebäudenutzung wie Schulen, Krankenhäuser, Hotels etc. handelt.

Über die GreenBuilding-Zertifizierungssysteme werden die Gebäudeeigenschaften hinsichtlich der gewünschten Qualität durch Mindestanforderungen und der gewünschten Zielwerte in Bezug auf Nachhaltigkeit beschrieben und für ein Bauvorhaben frühzeitig definiert. Die Bewertungssysteme dienen einerseits als Werkzeug zur Beurteilung der ganzheitlichen Gebäudequalität, anderseits helfen Sie dem Investor und seinen Planungspartnern in der Entscheidungsfindung bei Lösungsvarianten.

Gleichzeitig sind in dem integralen Planungsansatz, den die Systeme einfordern, neue Prozessabläufe, Planungstechniken und Dokumentationsanforderungen umzusetzen. Neue Berufsgruppen wie Auditoren, Nachhaltigkeitsmanager oder Umweltberater, die den Prozess moderieren und dem Projektteam die jeweiligen Anforderungen vermitteln, sind in den Planungsablauf zu integrieren. Eine Vielzahl an zusätzlichen Nachweisen wie Materialherkunft, Gebäudesimulationen, Lebenszyklusberechnung, etc. bis hin zu einem Inbetriebnahmemanagement sind zu erbringen und durchgängig zu dokumentieren.

LEED
Die Zertifizierungssysteme sind prinzipiell freiwilliger Natur und basieren weitgehend auf den jeweiligen landesspezifischen Normen und Standards des Systemträgers. Das amerikanische Zertifizierungssystem LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) des US Green Building Councils bezieht sich somit vorrangig auf ASHRAE-Standards (American Society of Heating, Refrigerating and Air Conditioning Engineers). Seit Oktober 2011 sind bei einer LEED-Zertifizierung auch alternative Nachweismethoden (ACPs - Alternative Compliance Paths) möglich, die es ermöglichen, lokale Normen anzuwenden, soweit nachgewiesen werden kann, dass deren Anforderungen höher als die US Normen sind.

Zertifizierungssysteme werden zunehmend auf internationaler Ebene eingesetzt. LEED ist international im Bereich gewerblicher Bauten das System mit der größten Marktdurchdringung. So sind zwischenzeitlich über 10.500 Gebäude weltweit nach LEED zertifiziert worden und 32.000 durchlaufen derzeit das Zertifizierungsverfahren. Bezogen auf die Bruttogrundfläche befinden sich ca. 40% der Projekte außerhalb der USA.

Seine Flexibilität bezüglich der Anwendbarkeit bei verschiedensten Gebäudenutzungen und ein umfassendes Marketing sowie die Adaption des Systems durch staatliche Behörden in den USA und in Ländern weltweit als Planungsinstrument hat zu seinem hohen Verbreitungsgrad beigetragen. Auch in Deutschland sind in den vergangenen drei Jahren eine Vielzahl an Gebäuden mit dem LEED-Zertifikat ausgezeichnet worden. Motivation für eine Zertifizierung mit einem gängigen, internationalen System sind insbesondere die länderübergreifende Vergleichbarkeit und beispielsweise die Vorgaben von internationalen Konzernen an ihre Immobilienbereiche, die Aufnahme in Immobilienfonds für nachhaltige Gebäude oder Mieteranforderungen.

      40-49 zertifiziert     -     50-59 Silber     -       60-79 Gold     -    80-110 Platin
Abb. 1: LEED-Zertifizierungslabel.
Punkteniveau der LEED-Zertifizierungsstufen
Quelle: USGBC

LEED besteht aus vier Zertifizierungsstufen mit "zertifiziert" als die niedrigste Stufe bis hin zu der höchsten Bewertung eines Gebäudes mit Platin. Die Einstufung ergibt sich aus der Summe der erzielten Einzelpunkte. Die Gesamtpunktzahl liegt bei 110 Punkten. Davon können 100 Punkte über die sogenannten Credits (Kriterien) der in Abb. 2 dargestellten Kategorien und zusätzlich 6 Punkte für Innovationen sowie 4 für regionale Anforderungen erlangt werden.

Prerequisites
Eine Besonderheit von LEED besteht in den Prerequisites, den Mindestanforderungen wie der Reduzierung von negativen Umwelteinflüssen durch Baustellenaktivitäten über Mindestanforderungen an die Wassereffizienz, den Schutz von Gebäudenutzern vor schädlichem Zigarettenrauch, der Berücksichtigung von Recyclingmöglichkeiten im Abfallentsorgungskonzept oder auch Anforderungen an die Frischluftversorgung. Für diese Mindestanforderungen können keine Punkte erreicht werden, jedoch kann ohne eine uneingeschränkte Erfüllung dieser Anforderungen keine Zertifizierung erreicht werden. Gerade deshalb ist es wichtig, auch diese Anforderungen frühzeitig im Planungsprozess zu berücksichtigen, Prozesse im Bauablauf wie beispielsweise die Staubvermeidung bei Abrissarbeiten darauf abzustimmen und diese zu dokumentieren. Die Gewichtung der einzelnen Kategorien der Nachhaltigkeit ist bereits in der Version 2009 relativ ausgeglichen und wird in der neuen Systemversion in 2012 weiter ausbalanciert.

Weiterentwicklung
Die Zertifizierungssysteme werden kontinuierlich an neue Marktentwicklungen und verschärfte Baunormen angepasst - sowohl in Bezug auf die Anforderungen und Zielwerte als auch der Weiterentwicklung der Bandbreite ihrer Nutzungsprofile , um die technische Entwicklung voranzutreiben und damit die umfassende Qualität der Gebäude im Sinne der Nachhaltigkeit stetig zu verbessern.

Dies spiegelt sich auch in der neuen Version von LEED wider, die Ende 2012 eingeführt werden soll. In der neuen Version wird der Kriterienkatalog um die Kategorien Standort und Transport, Gebäudeperformance und Integrativer Planungsprozess erweitert. Die Grenz- und Zielwerte werden in der Version 2012 zum Teil wesentlich angehoben und die aktuellsten Normen implementiert. Dies geschieht beispielsweise im Fall der Energieeffizienz durch die Referenzierung auf die aktuelle Version von ASHRAE 90.1-2010, deren neue Anforderungen für Energieeffizienz dann um ca. 30% höher als in der letzten Version von 2007 liegen.
Die Anzahl der Mindestanforderungen wird von 8 auf 15 erhöht. Einzelne Kriterien der LEED Version 2009 werden in der Version 2012 zu Prerequisites und zusätzlich neue Anforderungen wie beispielsweise für die Erfassung von Wasser- und Energieverbräuchen definiert. Die Gesamtzahl der Kriterien verringert sich, aber gleichzeitig wird es 17 neue Kriterien in der Version LEED 2012 geben.

Ausblick
Die Weiterentwicklung des LEED Systems des US Green Building Councils für die Version LEED 2012 Version führt zu einer umfassenden Anpassungen der bisherigen Systemstruktur sowie der jeweiligen Anforderungen. Dabei reagiert der Systemträger auf die gesellschaftlichen Entwicklungen und dem technischen Fortschritt, aus dem sich neue Planungsoptionen hinsichtlich eingesetzter Produkte und Materialien, aber auch neue Planungswerkzeugeuge und Planunsmethoden wie Simulationswerkzeuge oder integrative Planungsprozesse wie BIM (Building Information Modeling) oder Cx (Commissioning) ergeben.

Weitere Informationen bei den Autoren:
Thilo Ebert
Ebert-Ingenieure München
eMail: t.ebert@eb-ing.com
Jochen Schäfer
Ebert & Baumann Consulting Engineers Inc., Washington D.C.
eMail: j.schaefer@eb-engineers.com
Heike Schlappa
web: www.eb-ing.com

U.S. Green Building Coucil
web: www.usgbc.org/LEED

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