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verstetigen identifizieren verteidigen besetzen machen

Bild: jacques et brigitte

aut.raumproduktion - Eine Ausstellungsserie von raumtaktik (Matthias Böttger, Friedrich von Borries)

Ausstellung: 22. Januar bis 18. Dezember 2010
Ort: aut. architektur und tirol, Lois-Welzenbacher Platz 1, 6020 Innsbruck
Öffnungszeiten: Di - Fr 11.00 bis 18.00 Uhr, Do 11.00 bis 21.00 Uhr, Sa  11.00 bis 17.00 Uhr, an Feiertagen geschlossen

Architektur ist Raumproduktion. Mauern ziehen. Volumen definiert. Raum durch Grenzen, durch Hüllen bestimmen. Raum ist aber nicht nur ein Container, Raum wird auch durch Handlungen und soziale Interaktion bestimmt. Dieser, fortwährend neu produzierte soziale Raum kann für ArchitektInnen ein ebenso wichtiges Handlungsfeld sein. Er ist abhängig von politischen, ökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen - keine statische Produktion, sondern eine fortwährende, flexible: ausgehandelt von Individuen, Gruppen, Kulturen und Gesellschaften.

Raumproduktion wird von zahlreichen Akteuren und ihren Handlungen bestimmt. Im aut zeigt raumtaktik im Jahr 2010 verschiedene Positionen von ArchitektInnen, KünstlerInnen und AktivistInnen, die sich mit diesen Handlungsweisen auseinandersetzen und so wieder ein Handeln ermöglichen. Gesammelten Verben bilden das verbindende Rückgrat der Ausstellung und bekommen mit dem Wechsel einzelner Räume neue Bedeutungen.

Aktuell werden im Rahmen der Serie aut.raumproduktion folgende Ausstellungen gezeigt:

  • verstetigen Manuel Herz: Flüchtlingslager - Idealstädte in Staub und Schmutz (19. Februar bis 19. Juni 2010)
  • identifizieren bad architects group "prishtina-connection" (19. März bis 19. Juni 2010)
  • verteidigen Michl Schmidt + Peter Wendl "Verteidigung des Normalzustands" (16. April bis 10. Juli 2010)
  • besetzen Sandi Hilal, Alessandro Petti, Eyal Weizman "Ungrounding" (8. Mai bis 10. Juli 2010)
  • machen Diébédo Francis Kéré "Nachhaltige Architektur für Afrika" (21. Mai bis 11. September 2010) - bauinfo24.at berichtet

Der Architekt und Theoretiker Manuel Herz zeigt weitere temporäre Puffer, die sich verstetigen und unserer Gesellschaft eine scheinbar friedliche Existenz ermöglichen. Die UNHCR baut mit System und Handbuch Flüchtlingslager, um die Folgen von ethnischen, politischen, ökologischen, ökonomischen oder religiösen Fluchtbewegungen und Vertreibungen aufzufangen. Temporär gedacht, bleiben diese Strukturen oft lange bestehen und entwickeln sich zu quasi-urbanen Zentren ohne mit der richtigen Infrastruktur und sozialen Konsistenz ausgestattet zu sein. Herz hinterfragt dabei die Rolle des Architekten und seine ethische Verantwortung, der er in Form eines "hippokratischen" Eides verbunden sein sollte.

Bad Architects zeigen gleichzeitig wie schwer es ist sich mit einem neugeschaffenen Gebilde zu identifizieren. Prishtina sucht nach einer neuen Identität seit es 2008 zur Hauptstadt des Kosovo/a wurde und sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt hat. Während parallel geflohene Kosovaren in aller Welt ihre Heimatverbundenheit mit Dekorationen ausdrücken und einen transnationalen Raum in ihre alte Heimat aufspannen

Michl Schmidt und Peter Wendl verteidigen in ihrem Beitrag den Normalzustand mit Alltagsdingen, deren verborgene Bedeutungsebenen enttarnt werden. Ihre Installation verwandelt den kleinen Ausstellungsraum in ein Labor des Alltags und der Tendenz diesen Zustand der Normalität gegen alle Widrigkeiten zu erhalten.

Sandi Hilal, Alessandro Petti und Eyal Weizman entwickeln pragmatische Konzepte der "Dekolonisierung", der Nachnutzung und Entmilitarisierung verlassener Siedlungen und Militärstützpunkte in den von Israel besetzten Gebieten Palästinas. Sie zeigen auf, wie Architektur und Stadtplanung Macht ausüben und zementieren. Nur durch radikale Eingriffe wie eine neue Parzellierung oder die Abtragung der obersten Bodenschicht wird Platz für einen offenen Neuanfang und Hoffnung auf eine postautoritäre Gesellschaft gemacht.

Diébédo Francis Kéré setzt sich in seiner alten Heimat Burkina Faso für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ein und macht einfach mal, während andere lange planen. Seine Schulen und sozialen Zentren sind von höchster architektonischer Qualität und gleichzeitig lokale Produkte mit einer intensiven Identifikation und Nachhaltigkeit. Kérés neuestes Projekt eines Festspielhauses in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Christoph Schlingensief ist eine Gratwanderung, die aber auch eine große Chance für Afrika bietet, ernst genommen zu werden.

Nähere Informationen zu den Vorträgen und Eröffnungsveranstaltungen

Weitere Informationen:
aut. architektur und tirol
Lois-Welzenbacher Platz 1 • 6020 Innsbruck
Tel.: 05 12 - 57 15 67
Fax: 05 12 - 57 15 67-12
eMail: architektur@aut.cc
web: www.aut.cc

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