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Sinne im Gleichklang: Österreich-Pavillon auf der Expo 2010

Zukunftsweisende Architektur von SPAN & Zeytinoglu

Die Südostecke des Pavillons teilt die Ausgangsrampe in zwei Bereiche: Links liegt der Ausgang des Pavillons, rechts befindet sich der separate Aufgang zum Restaurant. / © Maria Ziegelböck

Mit einem futuristischen Pavillon präsentiert sich Österreich auf der Expo Shanghai vom 1. Mai bis 31. Oktober 2010. Der zweigeschossige Bau entstand nach einem gemeinschaftlichen Entwurf der Wiener Architekturbüros SPAN und Zeytinoglu Architects. Sein Leitmotiv sind nahtlose Oberflächen und Verbindungen, die biologische Strukturen reflektieren. Dazu kam - weltweit erstmals - Software zum Einsatz, die zur Erforschung komplex gekrümmter Oberflächen entwickelt wurde. Die Außenfassade des Pavillons ist mit zehn Millionen Porzellanfliesen besetzt.

Ein biomorpher Baukörper, von schimmernder Porzellanhaut überzogen: So präsentiert sich der österreichische Pavillon auf der Weltausstellung 2010. "Die Architektur des Projekts basiert auf Ideen zu Kontinuität, nahtlosen Oberflächen und graduellen Verbindungen zwischen den Räumen - ein Konzept, das geeignet ist, einen kontinuierlichen Fluss innerhalb des Pavillons zu entwickeln und auf subtile Art und Weise innen und außen zu verknüpfen", so Matias del Campo vom Architekturbüro SPAN. Auch die Farbabstufung der Fassade, das Design der Bars und Pulte sowie Details wie die Verkleidungen der Deckenspots wenden dieses Prinzip konsequent an.

Der Pavillon als Gesamtkunstwerk
"Österreich - Sinne im Gleichklang": Unter diesem Motto wurde der Pavillon als ein Gesamtkunstwerk aus Raum, Klang und Bildern konzipiert, bereichert um haptische Erfahrungswelten. Zum Beispiel werden Schnee und Eis als reale Elemente integriert. "Die räumlichen Beziehungen des Pavillons greifen spielerisch die Balance, Trennung und Symbiose zwischen Stadt und Land auf", erklärt Arkan Zeytinoglu. "Abstrahierte Landschaften als sinnliche Erfahrungsräume erzeugen eine rhythmische Bewegung vom Naturraum zum kulturell akustisch verdichteten Stadtraum." Der zentrale Raum wölbt sich von innen nach außen. Die geschwungene Raumsequenz unterstützt das Fließen des Besucherstroms vom Eingangsbereich durch das Ausstellungsareal hin zum Ausgang. Dank der nahtlosen Übergänge können sich die Visuals frei und ungehindert im Raum entfalten. Panoramen und Bildwelten werden raumfüllend an Wände, Boden und Decke projiziert.

Rendering Restaurant Bar Die Bars des Pavillons sowie Informations- und Verkaufspult orientieren sich am Grundthema des Pavillons: topologische Flächen. Die Möbel wurden mittels CNC-Fertigung in höchster Präzision hergestellt. / © SPAN & Zeytinoglu 2010

Weltpremiere für Softwareeinsatz
Was organisch anmutet, geht auf minuziös berechnete mathematische Strukturen zurück. Nur scheinbar ein Gegensatz, denn Mathematik wird begriffen als "die universelle Sprache, die alles zu beschreiben vermag: ob das ein Muster in einem Musikstück ist oder die Geometrie einer Austernschale", so Sandra Manninger vom Architekturbüro SPAN. "Die in der Natur vorhandenen geometrischen und mathematischen Systeme wurden direkt in den Entwurf eingebunden, um die Effizienz der Form zu steigern."

Zehn Millionen Porzellanfliesen
Über zehn Millionen Fliesen überziehen die Außenfassade des Pavillons mit einer von rot nach weiß changierenden Porzellanhaut. Die Verkleidung der komplex gekrümmten Fläche - sie umfasst den gesamten Außenbereich und das Dach - wurde durch die Wahl sehr kleiner hexagonaler Module möglich. Es entsteht der Eindruck einer nahtlosen Oberfläche, obwohl das Gegenteil der Fall ist: 60 Millionen Fugen sorgen für eine regelmäßige Verteilung der Spannungskräfte in der Fassade. Zugleich ist die Gestaltung eine Anspielung an die Tradition chinesischer Porzellanexporte nach Europa.

Expo der Superlative
Aus einem EU-weit ausgeschriebenen Vergabeverfahren war der Entwurf von SPAN & Zeytinoglu 2008 mit einstimmigem Juryentscheid als Siegerprojekt hervor-gegangen. Die ArchitektInnen erhielten damit die Chance, die kulturelle Identität Österreichs in einem globalen Kontext begreifbar zu machen. Schließlich verspricht die Weltausstellung 2010 mit nicht weniger als 70 Millionen BesucherInnen und über zweihundert teilnehmenden Ländern alle Rekorde zu brechen.

v.l.n.r. Matias del Campo, Sandra Manninger, Arkan Zeytinoglu / ©Maria Ziegelböck

Architekten
Matias del Campo, geboren 1970 in Santiago, Chile, studierte Architektur an der Universität für angewandte Kunst Wien. 1995 bis 1998 war er Redakteur des Wiener Stadtmagazins "Falter", 1998 bis 2001 ORF-Korrespondent. Seit 2003 zahlreiche Projekte, Ausstellungen und Publikationen unter dem Label SPAN gemeinsam mit Sandra Manninger. Mehrfach ausgezeichnet für die Architekturentwürfe von SPAN. Seit 2008 Gastprofessor für Architekturentwurf am Dessau Institute of Architecture.

Sandra Manninger, geboren 1970 in Graz, studierte Architektur an der Technischen Universität Wien. Zahlreiche Projekte, Ausstellungen und Publikationen in Zusammenarbeit mit Matias del Campo unter dem Label SPAN. Mehrfach ausgezeichnet für die Architekturentwürfe von SPAN. Seit 2008 Gastprofessorin für Architekturentwurf am Genetic Architecure Studio, ESARQ, Barcelona.

Arkan Zeytinoglu, geboren 1968 in Klagenfurt, studierte Architektur an der Technischen Universität Graz, anschließend "5th Year Design Studio" an der Cooper Union in New York. Generalplaner für private und staatliche Bauherren im Bereich Architektur und Interior Design, Konzeption und Umsetzung von Hotel- und Resortprojekten im In- und im Ausland. Seit 1995 Büro in Wien, Partnerbüros in Wien und im Ausland.

Weitere Informationen:
www.span-arch.com
www.span.vox.com
www.arkan.at

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