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1. Preis / EU-weit ausgeschriebener, offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb

Sanierung der Architektur- und Baufakultät / Universität Innsbruck

Univ.-Prof. Architekt Christoph M. Achammer, CEO und Partner von ATP Architekten und Ingenieure zur Auszeichung: "Mit über 400 in Europa tätigen MitarbeiterInnen am eigenen Heimatstandort den europaweit offenen Wettbewerb für die Ausbildungsstätte von Architekten und Ingenieuren zu gewinnen, bedeutet für uns als Architektur- und Ingenieurbüro große Freude und noch größere Verantwortung, insbesondere für ATP Innsbruck."
Bild: ATP Architekten und Ingenieure

Was bedeuten der Standort Innsbruck und der alpine Raum für die Lehre und wie stehen Disziplinen heute zueinander, wie werden sie in Zukunft zueinander stehen?

Dieser grundsätzlichen Frage geht das Entwurfsteam (ATP sphere und ATP Architekten und Ingenieure, Innsbruck) nach. Die Antwort ist zum Einen ein über die Haltung und das weiterhin sichtbare Raster zusammengehaltener Campus als Ort für die studentische Gemeinschaft. Zum Anderen versteht sich das Konzept als spezifische Reaktion auf die Begebenheiten und die Bewohnerschaft mittels zweier erlebbar unterschiedlicher, ihrer Studentenschaft zugeordneter Hauptgebäude.

Die Verschiedenartigkeit der Disziplinen wird sichtbar, der Charakter der Lehre nachvollziehbar. Während der Turm der Bauingenieure eine präzise, gleichzeitig aber auch flexible aumkonfiguration für rund 30 Institute erhalten soll, präsentiert sich das Architekturgebäude, in dem nur etwa fünf Institute Platz finden, als Hybrid, als Selbstversuch mit offenen Grundrissen, schon von außen als didaktischnarratives Gebäude. Das Architekturgebäude darf zum Laborkubus werden. Eine offene Konstruktion erlaubt etwa, die Fassade als Demonstrations- und Lehrobjekt für die Studenten zu gestalten.

Leitidee
Der Relaunch birgt für den Verfasser die Möglichkeit, der Universität Innsbruck auch grundsätzlich zu begegnen. Was bedeutet der Standort Innsbruck und der alpine Raum für die Lehre und wie stehen Disziplinen heute zueinander, wie werden sie in Zukunft zueinander stehen?

Campus mit zentralem Atrium, li.: Bauingenieurturm, re.: Architektengebäude mit aufgesetztem Veranstaltungstrakt.
Bild: ATP Architekten und Ingenieure

Die bauliche Anlage an sich zeichnet sich derzeit durch hohe Flexibilität und den geradezu schulhaft durchgesetzten Raster aus. Die Außenbereiche sind allerdings kaum mit den Innenbereichen verzahnt. Es fehlen Angebote für die Gemeinschaft und der Campusgedanke, baulich in der Platte manifestiert, zerfällt genau dort, wo er wirken sollte. Der Relaunch der Baufakultät Innsbruck führt bereits begangene Wege weiter. Zum Einen werden in diesem Zuge mit einer zentralen gemeinsamen Erschließungszone und dem zentralen Atrium (Amphitheater) Orte für die studentische Gemeinschaft geschaffen. Zum Anderen wird spezifisch auf die Begebenheiten und die Bewohnerschaft der beiden Hauptgebäude reagiert. Der Relaunch der Hauptgebäude nimmt der Anlage ihre Gleichförmigkeit und geht deutlich auf die einzelnen Disziplinen und den Kontext des Bauens ein.

Konzept
Der Relaunch der beiden Baufakultäten der TU Innsbruck führt den Gedanken der Gesamtanlage weiter. Allerdings werden die verschiedenen Charaktere der Fakultäten sichtbar. Das Gebäude der Ingenieure wird als präziser, eleganter Turm gestaltet, die kleinteilige Nutzungsstruktur lässt Zellenbüros Kombi-, Gruppen- und Großraumbüros zu. Der Innenausbau wird in seiner Struktur weitestgehend erhalten. Im Gebäude der Architekten wird die bisherige Strategie der Adaption weitergeführt und durch Ausdehnung an die Vorderkante der Balkone können zusätzliche Flächen (+20%) geschaffen werden. Die Flächen an sich werden als Edelrohbau zur Verfügung gestellt und sollen lediglich möbliert werden. Beide Gebäude wirken wie bisher als Ensemble, der Hinweis auf ihre Bewohner schafft allerdings zusätzliche Identifikation der einzelnen Disziplinen der Fakultäten.

Die Trennung in den oberen Geschossen wird im Sockel und insbesondere im neuen Souterrain schrittweise zusammengeführt. Das Erdgeschoss fungiert zukünftig als reines Seminargeschoss. Transparent - als Schaufenster der Bildung - während das neue Souterrain eine bereits im Architekturgebäude begonnen Strategie fortführt. Über ein Atrium, das im Footprint dem Kantinen- oder Bibliotheksgebäude entspricht, wird das neue Geschoss erschlossen, und alle gemeinschaftlichen Nutzungen sollen hier situiert werden. Als Treffpunkt bleibt dieses Geschoss zwanglos und durch das entstandene neue Flächenangebot könne die Obergeschosse neu geordnet werden. Eine Entwicklung des Souterrains nach Westen kann das Bibliotheks- und Kantinengebäude ebenfalls an diese Ebenen anbinden. Die klare Trennung von Gemeinschaftsfunktionen, Seminarebene und den eigentlichen Institutsflächen in den Obergeschossen verbessert die Funktionen maßgeblich. Zusätzlich ist die verkehrliche Erschließung einfacher.

Städtebauliche Einbindung und Erschließung
Der neue Campus wird sich spürbar der Öffentlichkeit zuwenden und speziell nach Süden in den Straßenraum der Kranebitter Allee wirken. Dort situierte öffentliche Verkehrsmittel und eine deutlich formulierte und durch die Aktivierung des UG einfache Erschließung für die Radfahrer verzahnen die Universität neu im Gefüge der Umgebung. Das zeichenhaft als Turm entstehende Bauingenieurgebäude wirkt dabei als übergeordnetes Landmark, während die Architekturfakultät mit dem auskragenden "Schaufenster der Lehre" in den Straßenraum eingreift und den zusätzlichen Eingang formuliert.

Die Neuordnung der Baufakultät hat ihren Auftakt im Atrium. Im Anschluss an das Atrium folgt eine neue Erschließungsebene mit Einrichtungen der studentischen Gemeinsamkeiten. Angegliedert werden hier im EG Seminare und Hörsäle sowie ebenengleich die Zeichensäle. Über dem Erdgeschoss entstehen klar den Fakultäten zugewandte Institutsebenen, die störungsfreie Lehre ermöglichen. Durch die Flächenausweitungen im Architekturgebäude können zudem jetzt noch nicht im Gebäude befindliche Institute (Konstruktion und Gestaltung/Architekturtheorie) in das Institutsgebäude der Architekten zurückgeführt werden und eventuell weitere Institute entstehen (z.B.: Meisterklasse o. ähnlich).

Bauingenieurgebäude:
elegant - präzise - Landmark - Kastenfenster - Hochhaus - Zellen- und Grossraumbüro - Konzentration - Individualität

Übersichtsplan
Graphik: ATP Architekten und Ingenieure

Die Baufakultät wird als präziser Turm gestaltet, dessen kleinteilige Lehr- und Institutsformen in der klaren und disziplinierten Fassade sichtbar werden, während das Architekturgebäude spielerisch offen die Lehre auch direkt nach außen abbildet. Das Bauingenieurgebäude ist ein Hochhaus. Um den Grundriss so flexibel wie möglich zu halten, wird auf eine Ausdehnung der Flächen verzichtet. Es entsteht eine in zwei Brandabschnitte geteilte flexible Fläche, in der die Institute in ihrer jetzigen Aufteilung erhalten werden, auf jegliche Veränderungen aber in Zukunft reagieren können. Das wird in der Fassade abgebildet. Unprätentiös und präzise reagiert sie auf die gestellten Anforderungen.

Kastenfenster und adaptierte hoch gedämmte Brüstungen werden zur Elementfassade gefügt. Sie berücksichtigen hierbei die exponierte Lage des Hochhauses (Föhn/Sonnenschutz). So kann das Bauingenieurgebäude durchaus während laufendem Betrieb umgestaltet werden. Fluchtbalkone und Konsolen werden demontiert und die Fassade ähnlich einem Mantel auf das Gebäude geschossweise montiert. Die Proportionen des Baukörpers verbessern sich, der Turm wirkt schlanker und klarer.

Architekturgebäude:
Werkstattcharakter - Open House - Diskurs und Transparenz - Diskussion - Konzentration

Im Gegensatz zur Baufakultät wird die neue Fassade des Architekturgebäudes an die Außenkante der Konsolen der ehemaligen Fluchtbalkone versetzt. Fehlende Flächen (für momentan ausgegliederte Institute) werden geschaffen. Gleich der sichtbar gemachten Konstruktion der Fassade werden die haustechnischen Installationen offen geführt. Ein Werkstattgebäude, das selbst lehren kann, ermöglicht den Studenten "am lebenden Objekt zu forschen". Die transparenten und offenen Grundrisse sind beispielhaft in Klimazonen aufgeteilt und die Schaufensterfassade im Westen kann zu Lehrzwecken abgekoppelt und von den Studenten selbst gestaltet werden. Weiters dient diese konzentriert aktivierte Raumspange als Klimapuffer der Westfassade.

Detailierte Informationen bietet das folgende pdf-Dokument von ATP:
1. Preis - ATP Architekten und Ingenieure - Universität Innsbruck

Bauherr: BIG Bundes Immobilien Gesellschaft m.b.H., Wien

Wettbewerbsentwurf: ATP Architekten und Ingenieure (ATP sphere und ATP Innsbruck)

Jury: Arch. Prof. Brian Cody, Arch. Mag.arch. Paul Katzberger, Arch. Anne Lacaton, OR mag.iur. Dipl.-Ing. Bernhard Futter, Vizerektor Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Arnold Klotz (Ersatz: Dipl.-Ing. Werner Gächter), Dekan Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Arnold Tautschnig (Ersatz: Arch. Dipl.-Ing. Erich Gutmorgeth), Dipl.-Ing. Karl Dürhammer, Dipl.-Ing. Bernhard Falbesoner.
Protokoll der Juryentscheidung: www.big.at

Wettbewerbsteam: Christoph Achammer, Marc Eutebach, Robert Kelca, Klaus Hessenberger, Caroline Winkler, Paul Ohnmacht, Linus Stolz, Hubert Neuhauser, Peter Oberhuber, Klaus Gebhart

Weitere Informationen:
ATP Architekten und Ingenieure
Innsbruck - Wien - München -
Frankfurt - Berlin - Zagreb
Budapest - Zürich
web: www.atp.ag

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