
Mehr Grün an Straßen, Fassaden und Dächern kann die Feinstaubbelastung um bis
zu 20 % verringern. Foto: V.f.B. - Citygreen
Im Winter warm halten, im Sommer kühlen und dabei Energiekosten sparen!
Klingt als wäre eine solche Kombination nicht möglich. Gründächer beweisen das
Gegenteil - und zeigen sich winterfit und sommertauglich zugleich. Bauphysikalische Untersuchungen untermauern die Argumentation: Schon
dünnschichtige Extensivbegrünungen können eine ansehnliche und dauerhaft
wirksame Dämmwirkung vorweisen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit
Anstrengungen zum Klimaschutz und größtmöglicher CO2-Reduktion ein interessantes
Thema für Unternehmen und Private.
Beachtliche Energieeinsparung
Im Winter kommt es durch die Vegetation und
das Dachsubstrat zu einer Verminderung des Wärmedurchganges und somit zu einer
erhöhten Wärmedämmung. Im Sommer sind Dachbegrünungen für darunter liegende
Räume insgesamt eine wirksame Maßnahme zum Schutz vor sommerlicher Hitze.
"Konkrete Berechnungen der Gesamteinsparung liegen bislang leider nicht vor",
bedauert Christian Oberbichler vom Verband für Bauwerksbegrünung (V.f.B.).
"Vorsichtig verlässliche Schätzungen unter der Annahme, dass der 12 cm hohe
Aufbau der extensiven Dachbegrünung ca. 2 cm Dämmstoff entspricht, ergeben eine
Energieeinsparung von 0,06 Euro/qm pro Jahr und - nach 40 Jahren - einen kumulierten
Betrag von 2.556,46 Euro für einen Quadratmeter Gründach!", unterstreicht
Oberbichler das Einsparungspotential. Bei einer intensiven Begrünung mit
entsprechend höherem Aufbau multipliziert sich diese Summe bis zu 10 %.
Zwar darf der Begrünungsaufbau eines Gründachs nach der Wärmeschutzverordnung nicht als zusätzliche Wärmedämmung gerechnet werden, da sich der Aufbau als
abnehmbares Element oberhalb der Dachabdichtung befindet. Dennoch ist klar: Jede Dachbegrünung hat eine nachweislich wärmedämmende Wirkung und reduziert damit
Energieaufwand und Kosten.
Fast alle Schichten des Begrünungsaufbaus leisten dazu ihren Sparbeitrag, von
den Drainageschichten über die Dachbegrünungssubstrate - überwiegend aus
leichten Zusatzstoffen wie Blähton, Blähschiefer, Lava oder Recycling-Ton
hergestellt - bis zur Vegetationsschicht mit dazugehörigem Pflanzenbewuchs. Je
nach Substratart und Bewuchs bringt allein die Vegetationsschicht eines
Gründaches im Vergleich zu einer 16/32 Kiesschüttung (Korngröße zwischen 16 und
32 mm) eine Verbesserung der Wärmedämmung von etwa 3 - 10 % mit sich.
Winterlicher Wärmeschutz, sommerliche Kühleffekte
Konkret zeigt sich die dämmende Wirkung wie folgt: Während Kiesdächer und
schwarze Bitumenpappe sich im Sommer auf etwa 50° C bis über 80° C aufheizen,
betragen die maximalen Temperaturen bei bepflanzten Dächern etwa 20° C bis 25° C.
In klaren Winternächten sinkt die Temperatur unbepflanzter Dächer auf bis zu
-20° C. Die jährliche Temperaturschwankung beträgt somit ungefähr 100 Grad.
Begrünte Dächer kühlen sich im Winter nur auf wenig unter 0° C ab, so dass hier
die Jahresschwankung nur etwa 30 Grad beträgt.
Grüne Klimaanlage
Offene Vegetationsflächen, also Gründächer, sind in der Lage, Oberflächenwasser
zu speichern. Bei Kiesdächern werden etwa 80 % bis 100 % des Niederschlags in
die Kanalisation geleitet, bei Dachgärten nur ca. 30 %. Der Rest wird durch
Verdunstung wieder an die Stadtluft abgegeben und trägt somit einerseits zur
Reduzierung des Feuchtigkeitsmangels der oberflächenversiegelten Stadt bei. Und
andererseits sorgt die entstehende Verdunstungskälte für passive Gebäudekühlung
und angenehme Temperaturen unter der Dachhaut des Gebäudes.
Gründach-Messungen in Berlin-Tempelhof
Extensiv begrünte Dächer
wandeln in den Sommermonaten 58 % der Strahlungsbilanz in die Verdunstung von
Wasser um. Unbegrünte Dächer dagegen wandeln 95 % der Strahlungsbilanz in Wärme
um: Die Folgen sind eine Erhöhung der Temperaturen im engen Gebäudeumfeld, ein
unbehagliches Raumklima bzw. die Erhöhung des Energieverbrauchs bei der
Gebäudeklimatisierung.
Weitere Informationen:
www.gruendach.at