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Rohbau, Fassade, Dach, Fenster, Türen

Prototyp aus hartem Holz

Tanne, Fichte, Douglasie, Kiefer: Aus diesen Weichhölzern werden normalerweise die Konstruktionen von Holzhäusern gefertigt. Mit einem Massivhaus aus Eichen- und Buchenholz haben Schweizer Architekten Neuland betreten.
Mehr als nur Zierrat: Die rautenförmigen Eichenholz-Elemente, die die Loggia nach außen abschließen, dienen der Verschattung. Unten: Im Erdgeschoss des Massivholzbaus liegen die Speise- und Seminarräume mit Küche, darüber die Wohn- und Schlafzimmer. Quelle: BUND Jahrbuch 2011

Schränke und Betten aus Hartholz, Häuser aus Weichholz - mit diesem Schubladendenken haben die Architekten Roland Bernath und Benjamin Widmer gründlich aufgeräumt. Zusammen mit zwei Holzbaufirmen haben sie im Kanton Schaffhausen ein Ferienheim mit über 400 Quadratmeter Grundfläche gebaut - drei Vollgeschosse aus massiver Eiche und Buche. Diese sind eigentlich zu wertvoll, um sie zu verbauen. Und sie gelten wegen ihrer Härte und ihres Gewichts als schwierig in der Verarbeitung.

Es war nicht die reine Lust am Experiment, die die jungen Architekten auf diese Idee brachte. Es war der Bauherr, der für den Neubau unbedingt Holz aus seinem eigenen Wald verwenden wollte. Im Spätherbst bei absteigendem Mond fällte er einige Eichen und Buchen. Aus dem frischen Stammholz wurden gleich Balken, Bohlen und Bretter geschnitten. Selbst bei Stämmen mit geringem Durchmesser reichte es mindestens zu einem Balken.

Der Trick mit der Kernbohrung
Alle Balken wurden in Längsrichtung mit einer Kernbohrung versehen. Dieses "Loch" beschleunigte die Trocknung und verhinderte Schwundrisse. Nach acht Monaten Lufttrocknung und drei Wochen in der Vakuumtrockenkammer waren die nötigen 16 Prozent Restfeuchte erreicht. Für die Ständerkonstruktion wurden Vierkantbalken aus Eichenholz verwendet, für den Deckenaufbau Buchenbalken. Die Ausfachungen sind aus weichem Föhrenholz und mit 16 Zentimetern Holzwolle gedämmt. Die Konstruktion ist immun gegen Setzungen, da nicht die gesamten Wände, sondern allein das Ständerwerk tragende Funktion haben. In diesem Punkt unterscheidet sich die Bauweise vom traditionellen Blockhausbau. Mit diesem Prototyp wurde der Beweis erbracht, dass auch lokale Mischwälder hochwertiges Baumaterial für Holzhäuser hergeben.

Klar, dass auch die Beheizung des Gebäudes aus regenerativen und regionalen Quellen stammt: Der 7.000 Liter fassende Warmwasserspeicher wird von einer 70-kW-Stückholzheizung befeuert. Das Brennholz stammt, wenig überraschend, aus dem eigenen Wald.

Autor: Stefan Kriz
Der Artikel steht als pdf-Download zur Verfügung.
Quelle: BUND-Jahrbuch "Ökologisch Bauen & Renovieren" 2011, S. 54

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