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Rohbau, Fassade, Dach, Fenster, Türen

Optimierte Gebäudesanierung stärkt Energieunabhängigkeit

Altbausanierung zum Passivhaus

Bildleiste: Quelle IG Passivhaus Österreich; Altbausanierungsobjekte auf Passivhausstandard v.l.n.r.:
EFH Schwarz in Pettenbach, LANG consulting; MFH der GIWOG in Linz, Architekturbüro ARCH+MORE; Hauptschule II + Polytechnische Schule in Schwanenstadt, PAUAT Architekten; Bezirkspensionistenheim in Weiz, Architekturbüro DI Erwin Kaltenegger; Firmengebäude drexel und weiss energieeffiziente haustechniksysteme, Architekturbüro DI Gerhard Zweier

IG Passivhaus Österreich fordert rasches Impulsprogramm

Eine massive Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden und der verstärkte Einsatz von Ökoenergien kann Österreich von fossilen Brennstoffen und Energieimporten unabhängig machen. In beiden Sektoren zählt die Österreichische Wirtschaft dank ihrer Innovationskraft zur Weltspitze. Statt „Strafzahlung“ für die Emissionsüberschreitung könnten um diesen Betrag 29 Millionen m² Altbauten auf Passivhausstandard mit 100% Erneuerbarer Energieversorgung saniert werden.

Wie sehr Österreich tatsächlich von der intensiven Nutzung Erneuerbarer Energieträger und einem engagierten thermischen Gebäude Sanierungsprogramm wirtschaftlich profitieren kann, machen jetzt mehrere kürzlich fertig gestellte Studien deutlich. Die ersten Altbausanierungen auf Passivhausstandard, welche großteils im Rahmen der Programmlinie „Haus der Zukunft“ des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie als Demonstrationsprojekte realisiert wurden, zeigen deutlich das enorme Potential an Energie- und Emissionseinsparung auf. 

• Einfamilienhaus von 1960 in Pettenbach
• Mehrfamilienhaus von 1957 in Linz
• Schulgebäude von 1972 in Schwanenstadt
• Pensionistenheim von 1975 in Weiz
• Gewerbebetrieb von 1975 in Wolfurt

„Trotz unterschiedlichster Gebäudenutzung und –typologie konnte bei all diesen Nachkriegsbauten Energieeinsparungen von 90 – 95% erzielt werden“, betont Helmut Krapmeier, Vorsitzender der IG Passivhaus Österreich, das enorme Reduktionspotential. Gleichzeitig wurden alle Gebäude von fossile auf erneuerbare Energieträger umgerüstet, und so für diese Gebäude eine dauerhafte Versorgungssicherheit für Raumwärme und Warmwasser sichergestellt.

Die durchschnittlichen Mehrkosten dieser Pilotsanierungen betragen im Mittel nur 140.- Euro / m² Nutzfläche gegenüber konventionellen thermischen Sanierungen. 

70% aller Nachkriegsbauten auf Passivhausstandard sanierbar

Durch die Nichteinhaltung des Kyoto- Protokolls steuert derzeit Österreich auf eine „Strafzahlung“ für die Emissionsüberschreitung im Zeitraum 2008 bis 2012 von mindestens 4 Milliarden Euro zu. 1)

Dieser enorme Betrag kann durch eine „Umwidmung“ in ein sofortiges Klimaschutz Impulsprogramm Österreich vor Strafzahlungen bewahren und gleichzeitig mehr als 100.000 nachhaltige Arbeitsplätze/Jahr und absolute Versorgungssicherheit schaffen. 

Mit diesem Betrag könnten 29 Millionen m² Altbauten auf Passivhausstandard saniert werden. Dies entspricht 70% aller 700.000 Wohneinheiten der Nachkriegsbauten in ganz Österreich, welche auf Grund ihres sehr hohen Energieverbrauchs für eine Sanierung zum Passivhaus prädestiniert sind. 

Mit der damit gleichzeitig verbundenen Umstellung von fossilen auf erneuerbaren Energieträgern würde so eine Reduktion von 11 Millionen Tonnen CO2 erzielt werden. Dies würde sogar die ursprüngliche Reduktionsmenge gemäß Kyoto- Vereinbarung übersteigen. 

Förderpolitik zielt zu wenig auf thermisch optimierte Gebäudesanierung ab

Als wesentlichen Grund dafür sehen die Experten nicht nur die lange Jahre relativ günstigen Energiepreise, sondern auch den Umstand, dass die Wohnbauförderung viel zu spät an die energetische Effizienz eines Gebäudes gebunden wurde. Auch die Tatsache, dass nach wie vor etwa 80% der Wohnbauförderung dem Neubau und nur 20% der Sanierung zugeteilt werden darf nicht unberücksichtigt bleiben. 

Es gilt jetzt wirklich engagierte Fördermodelle rasch umzusetzen, welche die Einsparungspotentiale der real möglichen Verbesserungen nutzen. Den Bauherrn und Bauträgern muss durch attraktive Förderprogramme die mit den Pilotprojekten bewiesenen Einsparungspotentiale nahe gebracht werden. Gerade unter Berücksichtigung der künftigen „Nach Kyoto Reduktionsziele“ für 2020 und 2050 muss speziell im Gebäudebereich durch die langen Sanierungszyklen jede thermische Sanierung von Haus aus auf ihr mögliches Maximum ausgelegt werden.

Mit einem zusätzlichen Förderbetrag von € 140.-/m² für thermisch optimierte Sanierungen würde eine nachhaltige Sanierungsoffensive gestartet werden.

Im Neubau hingegen wird in den meisten Bundesländern ein zu hoher Basisbetrag für den Mindeststandard gewährt, während für den Sektor Energieeffizienz ein verhältnismäßig kleiner Betrag gewährt wird. Durch diesen fehlenden Anreiz werden zu 80% weiterhin Neubauten gemäß Mindestanforderungen errichtet, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen.

Europa braucht größtes Konjunkturpaket der Nachkriegsgeschichte

Im Rahmen des EU-Vorsitzes Österreichs wird Bundesminister Martin Bartenstein aufgefordert, sich für eine nachhaltige Energiepolitik in der EU einzusetzen. Die thermisch optimierte Sanierung würde dank der erheblichen Energieeffizienz Steigerung die Voraussetzungen schaffen, dass der Gesamtenergieverbrauch bis 2020 um 50% gesenkt werden könnte, und damit Europa schrittweise von der fossilen Energieabhängigkeit loskommt.

Dadurch wäre nicht nur eine Deckung des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien realistisch, wie ihn Schweden bis 2020 geplant hat, sondern vor allem das größte Konjunkturpaket der Nachkriegsgeschichte und mehr als 1 Million Arbeitsplätze geschaffen. Mit der von der EU und dem Vorsitzland Österreich favorisierten Gaspipeline NABUCCO wären hingegen weder Arbeitsplätze noch die Versorgungssicherheit gesichert, und dem Klimaschutz in keiner Weise geholfen. 

All diese Best Practice Beispiele der Altbausanierung, wie auch über 400 Passivhaus Neubauten sind auf www.igpassivhaus.at sehr detailliert dokumentiert.

1) Umwidmung eines Teiles der „Strafzahlungen“, die Österreich durch die Nichteinhaltung des Kyoto- Protokolls erwachsen in Förderungen. Heute: 25 Millionen t CO2-Emissionsüberschreitung = Kosten 625 Millionen Euro bei Zertifikatskosten von 25 Euro (entspricht dem heutigem EU-Handelspreis). Für die gesamte Zeit der Emissionsüberschreitung im Zeitraum 2008 bis 2012 wären dies mindestens 4 Milliarden Euro für den Ankauf von Zertifikaten. 
(Quelle: PK der WKÖ Dachverband Energie-Klima vom 27.02.06) 

Weitere Informationen:
IG Passivhaus Österreich:
www.igpassivhaus.at

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