Grundzüge der Substanz
Nicht nachvollziehbar ist, wer aus dem Fürstenhaus Metternich durch eine mitteldeutsche Klinkerfassade inspiriert wurde. Tatsache ist jedoch, dass man für die in Niederösterreich untypische und wohl einmalige Klinkerfassade mit eigentlich ungeeigneten aber heimischen Materialien, unter hohem Arbeitsaufwand und Erfindergeist ein Fassadenbild herstellte, von
dem auch das Bundesdenkmalamt meinte: "Diese Klinkerfassade muss erhalten bleiben".
Dazu wurden neue Techniken erfunden. Wohl wissend von der hohen Wasseraufnahme unserer nicht hart gebrannten Ziegel (Ringöfen mit Holzbefeuerung) und deren ungerader Kanten (in Holzformen handgeschlagen) musste durch neue Verarbeitungstechniken dieses Manko ausgeglichen werden. Auch musste für die sonst übliche Wetterschutzschichte "Aussenputz" eine Substitution gefunden werden.
Meine Nachforschungen und die Detailarbeit ergaben dann folgendes:
Mit typischem österreichischem Improvisationstalent wurden die Formenungenauigkeiten (man kann auch von "ausgefranzten" Ziegelkanten sprechen) mit Kalkmörtel ebenflächig verschlossen (verbrämt) und mittels einem Fugenholz die feinen, geradlinigen Klinkerfugen leicht vertieft wie im Orginal gezogen.
Zur Herstellung einer Ebenflächigkeit wurde die gesamte Fassade mit einem härteren Naturstein abgeschliffen und mit Naturbinder (Magermilchanteile?), eingefärbt mit Farbpulver aus zermahlenen Ziegeln, eingelassen. Die imitierten schmalen Fugen wurden dann färbig abgesetzt nachgezogen. Das Schleifen und die Farbdeckung waren so gut, dass sich die weißen Kalkfugenränder weder strukturell, noch färbig von der Ziegelfläche unterschieden: Der Eindruck einer echten Klinkerfassade war perfekt und ist noch heute an den geschützten Bereichen der Südfassaden im Detail erkennbar.
Aber die Überlegungen gingen weiter: Fassadenschutz
Man kannte den gefürchteten Schlagregen in der freien Lage des Schlosses in der Ebene.
Man kannte auch die hohe Wasseraufnahme der Ziegel.
Als Folge wurde ein für diese Gegend überdimensionierter Dachüberstand zimmermannsmässig so eingebunden, dass er als schmückendes Beiwerk zur Bedeutung kam und nicht nur Schutzfunktion aufwies.
Die gesamte Fassade wurde wie oben erwähnt, mit natürlichen Materialien (Magermilchkaseine) flächig eingelassen. Die im Laufe der Jahrzehnte von oben nach unten nachlassende Wirkung ist an den Aufnahmen deutlich ablesbar.
Langjährige Verweigerungen in Werterhaltung bzw. Sicherung der Substanz (letzte Dacheindeckung durch die russische Besatzungsmacht !!!) führten zu extremen Schäden und sogar zu Erosionserscheinungen, die ihresgleichen suchen: Nicht vom Wüsten-, sondern vom Ackersand wurden Ziegelkanten gerundet und Fugen ausgeschliffen - beste Angriffspunkte für Wasser und Frost.
Doch die Erkenntnisse gingen weiter: Bodenaufbau
Schon die ersten Probeschürfgruben ergaben eine erschreckende Entdeckung:
Der kaum Wasser aufnehmende Tegelboden war eigentlich ein guter Feuchteschutz für die gemauerte Grundfeste. Aber nach Regenfällen war die Bewirtschaftung der Objekte naturgemäß schwierig. Also entschloss man sich, Abhilfe zu schaffen - preiswert musste sie aber sein. Nicht das Sammeln und Ableiten der Wässer wurde gewählt, sondern das Auffüllen mit schottrigem Sand, später noch mit verschiedenen Lagen Riesel überdeckt.
Der wurde dann auch noch mit Beton oder Gußasfalt versiegelt. So verstärkte man den negativen Effekt noch mehr aber man erhielt schnelle Begehbarkeit nach Niederschlägen ...
Dass damit auch das Aussenniveau um rund 30 cm erhöht wurde und vor allem dass sich nun stehendes Wasser im Sand über der Tegelschichte bildete und die Ziegelwände direkt belastete - das wurde bis dato nicht erkannt.
Mir gelang für die so provozierte Wanddurchfeuchtung die eindeutige Nachweisführung
Die feldseitige Aussenwand des offenen "U" (gleichzeig Hauptwindrichtung) hatte 1984 ein Flugdach und darunter eine Betonbodenplatte auf ca. 10 m Länge und 3 m Breite erhalten zum Aufstellen eines Flüssiggastankes.
Die Putzschädigungen auf der Wandinnenseite erreichten heute noch erkennbar eine Höhe von knapp 2,00 m, die Kernfeuchte der Wand aber endete bei rund 80 cm: Es gab eine Rücktrocknung und es wurde nur noch eine geringe Steighöhe des Kapillartransportes nachgewiesen.
Das war der Knackpunkt
Ohne Schlagregenbelastung und ohne Sammeln von Niederschlägen am Wandfuss ist die eigentliche Belastung für ein Ziegelgebäude ohne Horizontalisolierung sehr gering.
Die Nachweisführung über die Wasseraufnahme und -abgabe der Ziegel war dann nur noch Beiwerk.
Hier die Ergebnisse:
Die in unmittelbarer Umgebung des Standortes hergestellten Ziegel weisen eine maximale Wasseraufnahme zwischen 15% und 20% auf. Damit liegen sie im Normalbereich. Auffallend ist ihre schnelle Wasseraufnahme und ihre ebenso schnelle Wasserabnahme.
Einige Beispiele für die schnelle Wasserabgabe:
Pfeiler Nordwesteck: von Höhe Terrain bis + 0,45 m von 19,6 M-% auf 2,7 M-%
Ziegel unter Flugdach: + 0,20m über Fussboden 8,6 M-%, und + 1,00m ü.Fb. 1,2 M-%
Weiterhin beachtlich war die hohe Wasserabgabemöglichkeit speziell nach 2 Wochen Regen mit anschließender 3-wöchiger Besonnung:
Messkette 1, Entnahme von außen nach innen, Probe 4, Entnahmetiefe 10-14 cm mit 6,9M.-% und bei der Probe 5 Entnahmetiefe 36-42 cm mit 12,2M-%!
Prüfung der Wasseraufnahme nur durch Saugen (auf einem nassen Frottiertuch liegend)
Bestandziegel 3 min 29,7% 8 min 56,5% 34 min 100%-vollgesogen
NF-Ziegel neu 3 min18,5 % 8 min 27,6% 13 min 34,5% 2h 15min 95%
Die Trocknung mittels Darrmethode erfolgte beim Bestandziegel in weniger als der halben Zeit!
Zusammenfassung
Das Gebäude wurde in den letzten Jahrzehnten nicht mehr instand gesetzt. Die letzten größeren Reparaturen erfolgten Anfang der fünfziger Jahre am Dach.
Die alten Dachrinnen und Regenfallrohren sind bestimmt seit 20 Jahren sehr defekt und derzeit in Auflösung begriffen. Auch die Dacheindeckung ist marode, dass führte zu einer massiven Belastung durch die Niederschläge, die durch den starken Wind in ihrer Wirkung noch vervielfacht wurden. Man sieht an den Fotos in deutlich die von oben nach unten fortschreitende Zerstörung der Ziegelfassade.
Die Anschüttung mit drainagierendem Material erhöhte auch die Feuchtigkeitsbelastung von unten und die Versiegelung der Böden mit Beton nahm die Möglichkeit einer Abtrocknung.
Die ehemalige Nutzung der Gebäude als Stallungen (widmungsgerecht), die spätere Nutzung als Geflügelzuchtbetrieb und die nach Sachmängeln dort einsetzende Taubenplage führten zu einer hohen Kotbelastung (Nitrate!).
Dadurch wurde es möglich, dass sich in knapp zwei Jahrzehnten gravierende Mängel einstellten. Nur die gute Grundsubstanz des Objektes konnte weiteren Schaden verhindern. Der Kreislauf der Schäden wurde durch die gute Abtrocknungsmöglichkeit des Mauerwerkes immer wieder abgeschwächt.
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Dipl.-Ing. Peter C. Bohinc
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